Ombudsstelle: SRF-Hörspiel verletzt den Jugendschutz nicht

Ein Vater hat das am 13. Mai 2026 veröffentlichte SRF-Kinderhörspiel «Ich bin Alex» beanstandet. Seiner Ansicht nach vermittelt die Geschichte Kindern eine umstrittene politische Haltung zur Geschlechtsidentität, ohne Eltern vorab auf das Thema hinzuweisen. Die Ombudsstelle kommt zum Schluss, dass das Hörspiel eine gesellschaftliche Realität auf umsichtige Weise thematisiere und unterstützt die Beanstandung deshalb nicht.

Darum geht es in der beanstandeten Sendung

Das Hörspiel «Ich bin Alex» erzählt die Geschichte eines Kindes, das mit seiner Familie aus den USA in die Schweiz zieht. An der früheren Schule hat Alex schlechte Erfahrungen gemacht. Nun hofft sie auf einen Neuanfang. Bereits am ersten Schultag freundet sie sich mit Zoe an. Die beiden teilen ihre Begeisterung für Musik und schreiben gemeinsam ein Lied über ihre Freundschaft.

Alex ist eine Transperson und zögert zunächst, Zoe davon zu erzählen. Schliesslich vertraut sie ihrer neuen Freundin ihr Geheimnis an. Doch aus Eifersucht erzählt Zoe es einem Mitschüler weiter. Für Alex bricht damit eine Welt zusammen. Das Hörspiel behandelt Themen wie Angst und Ausgrenzung, aber auch Freundschaft, Zugehörigkeit und Akzeptanz.

Die SRF-Produktion basiert auf dem Kinderbuch «Ich bin Alex» von Jean-Loup Felicioli. Das französische Original «Je suis Camille» gewann 2021 den Kinderliteraturpreis von UNICEF Frankreich in der Kategorie für 9- bis 12-Jährige. Insgesamt beteiligten sich mehr als 12’300 Kinder und Jugendliche an der Abstimmung über die Bücher in den verschiedenen Alterskategorien. SRF empfiehlt das Hörspiel für Kinder ab zehn Jahren.

«Ich bin Alex» vom 13. Mai 2026

Was wird beanstandet?

Der Beanstander berichtet, er habe das Hörspiel seiner neunjährigen Tochter vorgespielt und sei im Verlauf der Geschichte zunehmend irritiert und schliesslich schockiert gewesen. Kindern werde vermittelt, dass sie ein anderes Geschlecht haben könnten als jenes, das ihnen bei der Geburt zugeordnet worden sei. Diese Auffassung entspreche nicht dem gesellschaftlichen Konsens, sondern sei eine politische Position, die nur von einer Minderheit vertreten werde.

Der Vater kritisiert insbesondere, dass die Beschreibung des Hörspiels nicht auf das Thema Geschlechtsidentität hinweise. Eltern könnten deshalb im Vorfeld nicht erkennen, dass die Geschlechtsidentität von Alex eine zentrale Rolle spiele. Dies wertet der Vater als Missachtung des Transparenzgebots und Vernachlässigung des Schutzes Minderjähriger.

Das Hörspiel suggeriere, dass Kinder, die sich im falschen Körper fühlten, mit dieser Wahrnehmung automatisch Recht hätten. Der Beanstander bezeichnet dies als «Geschlechtsumwandlungspropaganda» und wirft SRF vor, über das Kinderprogramm subtil eine politische Haltung zu verbreiten.

Was sagt die Redaktion?

Die Redaktion weist den Vorwurf der politischen Einflussnahme zurück. Bei «Ich bin Alex» handele es sich um ein literarisches Hörspiel und nicht um eine politische Kampagne. Die Geschichte enthalte weder Forderungen noch Handlungsanweisungen und propagiere kein bestimmtes Weltbild. Sie erzähle von den Erfahrungen eines einzelnen Kindes.

Das Hörspiel behaupte nicht, dass Geschlechtsidentität beliebig oder folgenlos sei. Vielmehr zeige es Alex’ inneren Konflikt: Die Hauptfigur zweifle, leide, habe Angst und suche Halt. Die Geschichte nehme keine ausdrückliche Bewertung ihrer geschlechtlichen Identität vor.

Eine «Vorwarnung» hält die Redaktion nicht für angebracht. Das Hörspiel thematisiere keine Sexualität, sondern Selbstwahrnehmung, Angst, Zugehörigkeit und Freundschaft. Kinder begegneten solchen Fragen in der Schule, in den Medien oder in ihrem persönlichen Umfeld. Die Geschichte greife diese Realität nach Ansicht der Redaktion behutsam und in einer altersgerechten Erzählform auf. Zudem sei das Hörspiel ausdrücklich mit der Altersempfehlung «Ab 10 Jahren» versehen. Die Redaktion verweist ausserdem auf die literarische Vorlage und deren Auszeichnung mit dem Kinderliteraturpreis von UNICEF Frankreich.

Was sagt die Ombudsstelle?

Die Ombudsstelle stellt zunächst fest, dass Fragen zur Geschlechtsidentität heute in der Öffentlichkeit deutlich sichtbarer seien und sich deshalb auch mehr Jugendliche damit beschäftigten.

Weiter verweist sie auf Einschätzungen von Kinder- und Jugendpsychologen. Demnach hätten manche erwachsene Transpersonen bereits im Alter von vier oder fünf Jahren wahrgenommen, dass ihre Geschlechtsidentität nicht mit dem ihnen zugeordneten Geschlecht übereinstimme. Fachpersonen rieten Eltern, Kinder, die sich mit dieser Zuordnung unwohl fühlten, nicht in eine bestimmte Geschlechterrolle zu drängen. Fehlende Unterstützung könne sich negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken und psychische Belastungen begünstigen. Zu einer sozialen Transition könne gehören, dass ein Kind in seinem Umfeld mit einem anderen Namen und anderen Pronomen angesprochen werde.

Nach Ansicht der Ombudsstelle greift «Ich bin Alex» solche Erfahrungen auf. Sie teilt die Einschätzung der Redaktion, wonach das Hörspiel keine Forderungen stelle, keine Handlungsanweisungen erteile und kein Weltbild propagiere. Es gehöre zum Auftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders, gesellschaftliche Realitäten zu thematisieren. Das Hörspiel tue dies auf eine «sehr umsichtige Art und Weise».

Die Ombudsstelle erkennt deshalb weder einen Verstoss gegen den Jugendschutz noch eine Verletzung des Sachgerechtigkeitsgebots. Sie unterstützt die Beanstandung nicht.

Text: SRG.D/nk

Bild: zVg Jacoby & Stuart / Jean-Loup Felicioli/Hintergrund bearbeitet durch SRG.D

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