Regionale Stimmen sind wichtig für die SRG
Wie gut bildet SRF die Vielfalt der Regionen ab? Darüber diskutieren nicht nur Medienprofis, sondern auch engagierte Mitglieder der SRG-Trägerschaft. Lauro Mombelli gehört gleich zwei ihrer programmbegleitenden Gremien an. Er erklärt, wie regionale Beobachtungen in die Diskussion über die SRF-Angebote einfliessen, wie Mitglieder sich beteiligen können und was er selbst aus seinem Engagement mitnimmt.
Der Regionalausschuss im Publikumsrat SRG.D
Der Regionalausschuss im Publikumsrat SRG.D
Der Regionalausschuss ist Teil des Publikumsrats der SRG Deutschschweiz und berät dessen Leitungsteam. Seine Mitglieder stehen als Ansprechpersonen für regionale Themen zur Verfügung und unterstützen die Konzeption und Durchführung regionaler Dialogveranstaltungen. Er setzt sich aus je einem Mitglied der sieben Mitgliedgesellschaften der SRG Deutschschweiz zusammen. Gemeinsam mit dem Resonanzraum und dem Leitungsteam bildet er gemäss Art. 16 Abs. 2 der Statuten den Publikumsrat der SRG Deutschschweiz.
Medien interessieren Sie seit Ihrer Jugend. Wie führte dieses Interesse zu Ihrem Engagement in der SRG-Trägerschaft?
Schon während des Gymnasiums wollte ich im Medienbereich arbeiten. Ich begann als Moderator in der Jugendredaktion von Radio RaBe und studierte später Medien- und Kommunikationswissenschaften. Bei einer Veranstaltung an der Universität Freiburg wurde ich auf die Programmkommission aufmerksam. Es reizte mich, die Arbeit anderer Programmschaffender zu verfolgen und ihnen konstruktives Feedback zu geben. Heute arbeite ich zwar in einer anderen Branche, doch seit 2018 bin ich in der Programmkommission aktiv, seit drei Jahren als Präsident.
Was genau macht die Programmkommission?
Der Regionalausschuss ist Teil des Publikumsrats der SRG Deutschschweiz. Er bringt die Perspektiven der Mitgliedsgesellschaften ein und berät das Leitungsteam bei regionalen Fragen. Der Publikumsrat begleitet das Programmschaffen von SRF und fördert den Austausch zwischen der Bevölkerung und den Programmschaffenden. Dafür führt er sogenannte Dialogfenster durch, in denen ein bestimmtes Thema mit Umfragen, Gesprächen oder Veranstaltungen vertieft wird.
«Ohne die regionalen Stimmen würde das Herz fehlen, das die SRG ausmacht»
Warum braucht es daneben überhaupt noch regionale Gremien?
Ohne die regionalen Stimmen würde das Herz fehlen, das die SRG ausmacht. Ein einzelnes Gremium kann die Vielfalt der Regionen nicht so umfassend abbilden wie die Mitgliedsgesellschaften vor Ort. Schon in der Programmkommission der SRG Bern Freiburg Wallis beurteilen zum Beispiel Mitglieder aus dem Wallis die regionale Berichterstattung teilweise anders als diejenigen aus Freiburg oder Bern. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir verschiedene, regional verankerte Programmkommissionen haben.
Welche Anliegen beschäftigen die Regionen besonders?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten, weil wir sehr unterschiedliche Unterhaltungs- und Informationsangebote beobachten. Wiederholt zeigt sich jedoch die Sorge, dass bei SRF immer mehr in Zürich stattfindet und die Medienangebote in den Regionen an Vielfalt verlieren. Insbesondere in den weiter von Zürich entfernt liegenden Regionen wird diese Entwicklung teilweise besonders deutlich wahrgenommen.
Im Rahmen des Dialogfensters «Audiokultur im Wandel» wurde die gemeinsame Programmbeobachtung der regionalen Gremien erstmals auf ein Dialogfenster des Publikumsrats abgestimmt. Was war das Ziel?
Wir wollten die breite Perspektive aus der Publikumsumfrage mit einer vertieften Programmbeobachtung verbinden. Die Mitglieder der Programmkommissionen befassen sich regelmässig mit Sendungen, kennen deren Aufträge und Rahmenbedingungen und können deshalb spezifischeres und detaillierteres Feedback geben. Gleichzeitig bringen sie den Blick aus ihren Regionen ein. So ergänzen ihre Beobachtungen die Rückmeldungen aus der Bevölkerung und geben dem Publikumsrat ein differenzierteres Bild davon, wie die Audioangebote von SRF wahrgenommen werden.
Was fiel den Mitgliedern bei der vertieften Programmbeobachtung auf?
Wir untersuchten verschiedene Podcasts und Radiosendungen. Dabei äusserten mehrere Mitglieder den Eindruck, dass regionale Berichterstattung ausserhalb der Regionaljournale in den Audioangeboten von SRF an weniger Stellen vorkommt als früher.
Was nehmen Sie aus dieser ersten Zusammenarbeit mit?
Solche Kooperationen müssen bereits bei der Planung eines Dialogfensters berücksichtigt werden. Nicht jedes übergeordnete Thema lässt sich gleich gut auf konkrete Sendungen und regionale Fragestellungen übertragen. «Audiokultur im Wandel» war nicht einfach regional zu fassen. Deshalb braucht es einen regelmässigen Austausch zwischen dem Leitungsteam und dem Regionalausschuss.
Wie können sich Mitglieder beteiligen, die noch keinem Gremium angehören?
Wir haben im Radiostudio Bern eine offene Sitzung durchgeführt, zu der sich alle interessierten Mitglieder der SRG Bern Freiburg Wallis anmelden konnten. Gemeinsam diskutierten wir eine Ausgabe des Regionaljournals, formulierten Feedback und besprachen dieses mit einem Programmverantwortlichen. Eine Teilnehmerin wurde später Mitglied unserer Programmkommission. Darüber hinaus informieren wir im Jahresbericht, in Newslettern und auf unserer Website über unsere Arbeit und laden zu eigenen Programmbeobachtungen ein.
Was gewinnen Sie persönlich aus Ihrem Engagement?
Ich empfinde die Arbeit als sinnstiftend. Schon ein kleiner Beitrag zu einem qualitativ hochwertigen medialen Service-public-Auftrag erfüllt mich. Gleichzeitig erhalte ich Einblick darin, wie eine Sendung entsteht und welche Überlegungen Redaktionen bei ihren Entscheidungen anstellen. Besonders spannend ist der direkte Austausch mit den Programmschaffenden. Hinzu kommen Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen aus den Regionen sowie aus dem Haus SRF und der SRG. Diese Kombination bereitet mir auch nach all den Jahren grosse Freude.
Zur Person
Lauro Mombelli ist Mitglied des Regionalausschusses des Publikumsrats der SRG.D und Präsident der Programmkommission SRG Bern Friburg Wallis.