Resonanzradar #15: Radio vs. Podcast: Treuer Begleiter oder bewusster Partner

Radio und Podcast sind keine Konkurrenten, sondern sprechen jeweils ein spezifisches Publikum in unterschiedlichen Situationen an: Das zeigen erste Erkenntnisse der Online-Umfrage des Resonanzraums im Rahmen des Dialogfensters «Audiokultur im Wandel». Die nicht-repräsentative Umfrage läuft bis Ende Mai.

Über den Resonanzradar

Der «Resonanzradar» ist der Blog des Leitungsteams des Publikumsrats der SRG Deutschschweiz. In regelmässigen Abständen informiert es so zu Neuigkeiten und Erkenntnissen aus dem Resonanzraum.

Seit über 100 Jahren gibt es Hörfunkprogramme in der Schweiz, und das lineare Radio hat nach wie vor einen hohen Stellenwert. Doch die Nutzung des Radios nimmt ab, während die Beliebtheit von Podcasts steigt. Verdrängt das neue Genre also das traditionelle Audio-Format? So

Slchen Fragen geht das Dialogfenster «Audiokultur im Wandel» im Resonanzraum der SRG Deutschschweiz nach. Über 200 Hörer:innen unterschiedlichsten Alters aus der ganzen Deutschschweiz haben in einer Online-Umfrage Angaben über Nutzungsverhalten gemacht.

Radio gehört zum Alltag

Aus den Umfrage-Antworten zeichnet sich ein Bild ab: Podcasts können Radio nicht eins zu eins ersetzen, eine direkte Verdrängung ist nicht ersichtlich. Vielmehr zeigt sich, dass die verschiedenen Formate aus unterschiedlichen Gründen in unterschiedlichen Situationen genutzt werden.

«Lineares Radio gibt mir einen Rhythmus im Alltag.», Umfrage-Teilnehmer:in

Radio ist ein treuer Begleiter, Radio ist bei vielen Teilnehmenden der Umfrage ganz selbstverständlich als Begleitmedium verankert: «Lineares Radio gibt mir einen Rhythmus im Alltag.» Oft wird Radio aber beiläufig gehört, bei der Haushaltsarbeit wie beim Kochen, oder vielfach auch beim Autofahren.

Bewusst ausgesucht

Zwar werden auch Podcasts beim Pendeln im Zug oder im Auto gehört, da aber als bewusst ausgesuchter Inhalt. Auch wenn die Hörerinnen und Hörer auf dem Sofa entspannen oder sich beim Joggen und im Fitnesscenter sportlich betätigen, werden gezielt ausgewählte Podcasts gehört.

Radio-Hörer:innen schätzen dagegen genau eine andere Eigenschaft des linearen Programms: Radio kann überraschen. «Ohne Radio würde ich weniger Entdeckungen machen» lautet denn auch eine Antwort in der Umfrage.

«Ohne Radio würde ich weniger Entdeckungen machen.», Umfrage-Teilnehmer:in

Während Podcasts zu einem beliebigen Zeitpunkt gehört werden können, ist Radio «hier und jetzt», das Programm wird dann gemacht, wenn es auch genutzt wird, deshalb wird Radio von denjenigen geschätzt, die wirklich aktuelle News konsumieren möchten.

News-Podcasts bieten gut aufbereitete Hintergrundinformationen und sind somit länger haltbar als ein Nachrichtenbulletin, sie können zu einem individuell gesetzten Zeitpunkt gehört werden. Oder auch mit einer gewissen Zufälligkeit: Nicht wenige Teilnehmer:innen der Umfrage, die regelmässig Radio hören, begegnen beispielsweise auf SRF 4 News eigentlichen Podcasts, die auch als Radio-Programm gesendet werden.

Ideen für künftige Podcasts

Das neuere Audio-Format findet stetig mehr Anklang, «Podcasts sind eine gute Entwicklung», wird in der Umfrage festgehalten – «und haben noch viel Potenzial». Für mögliche künftige Podcasts wird eine breite Palette an möglichen Wunsch-Themen angegeben, sie reichen von Wissenschaft über Literatur und Geschichtliche Zusammenhängen bis zu spezifischen Frauenthemen. In den Antworten spiegelt sich eine Stärke von Podcasts: Sie können klare Interessengruppen ansprechen, während ein Radioprogramm stets ein breites Publikum bedienen sollte.

Die Qualität der Podcasts von SRF wird oft gelobt: Podcasts seien professionell gemacht, sie überzeugten dadurch inhaltlich und technisch.

«Ohne Radio würde der Alltag langweiliger.», Umfrage-Teilnehmer:in

Noch sind Podcasts aber nicht so selbstverständlich im Alltag verankert wie Radio. Würde das lineare Radio fehlen, dann würden die Hörer:innen das Gefühl, «gerade jetzt mit der Welt verbunden zu sein» vermissen, und «der Alltag würde langweiliger». Gäbe es keine Podcasts, «würde die Welt nicht untergehen», so eine Stimme in der Umfrage. Denn, wie jemand antwortete: «Es ging auch ohne, Ruhe ist gesund.»

Dialog am Jazzfestival

Im Dialogfenster «Audiokultur im Wandel» kehrt noch keine Ruhe ein, vielmehr wird das Thema nun an verschiedenen Veranstaltungen mit Interessierten vertieft, ein erstes Mal im Rahmen des Schaffhauser Jazzfestivals am Samstag, 9. Mai. Neben der Diskussion über Audiokultur bietet Florence Baeriswyl, Redaktorin von Radio SRF 2 Kultur, auch einen Blick hinter die Kulissen.

Haben Sie noch nicht an der Umfrage teilgenommen?

Bis Ende Mai können Sie Ihre Meinung und Ihre Inputs zu den Radio‐ und Audioangeboten von SRF einbringen.

Jetzt an der Umfrage teilnehmen.

Philipp Landmark ist Kommunikationsberater, Journalist und Mitglied des Leitungsteams Publikumsrat SRG.D.

Text: Philipp Landmark

Bild: Lederer Maximilian

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