100 Jahre SRG Region Basel: Vom Radio-Pionier zur Stimme der Region
Seit ihrer Gründung als Basler Radiogenossenschaft im Jahr 1926 prägt die SRG Region Basel die Medienentwicklung in der Schweiz mit. Zum 100-jährigen Jubiläum blickt sie auf ein Jahrhundert voller Pioniergeist, regionaler Verankerung und Engagement für den medialen Service public zurück.
1913–1923: Eine Antenne zwischen Kirchtürmen
Basel spielte schon früh eine wichtige Rolle in der Schweizer Radiogeschichte. Bereits 1913 spannten Forscher der Universität Basel eine Radioantenne vom Nadelberg zur Peterskirche. Für die damalige Zeit war das ein bemerkenswertes Experiment, denn das Radio steckte noch in den Anfängen. Zehn Jahre später konnten Besucherinnen und Besucher der Schweizer Mustermesse 1923 erstmals echte Rundfunksendungen erleben. Ein 20-Watt-Sender im Bernoullianum übertrug Stimmen und Musik in die Stadt. Damit hörte Basel erstmals sein eigenes Radioprogramm.
1926–1932: «Hallo, hier Basel!» – Die Geburtsstunde des öffentlichen Radios in Basel
Am 3. Februar 1926 wurde die Radio-Genossenschaft Basel gegründet, die spätere Radio und Fernsehgenossenschaft Basel. Ihr Ziel war es, ein öffentliches Radioprogramm für die Region aufzubauen. Das erste Studio befand sich im ersten Stock des Bahnhofs Basel SBB. Gesendet wurde live, improvisiert, mit einfachster Technik und mit grossem Enthusiasmus. Damit war Basel eine von nur wenigen Schweizer Städten mit einer eigenen Radiogesellschaft und wurde 1931 Mitgründerin der nationalen SRG.
1932-1940: Vom Bahnhof ins Grüne
1932 zog Radio Basel vom Bahnhof SBB in die Villa im St. Margarethenpark um. Das klassizistische Landhaus im heutigen Binningen blieb bis 1940 Sitz des Basler Radiostudios. Mit der Einweihung des ersten eigens für den Rundfunk errichteten Studiogebäudes auf dem Bruderholz begann 1940 ein neues Kapitel der Basler Radiogeschichte.
1939-1945: Radio als Schutzschild – Stimmen aus Basel im Zweiten Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Radio zu einem Instrument der geistigen Landesverteidigung. Auch aus dem Radiostudio Basel kamen verlässliche Informationen, Kommentare und kulturelle Beiträge. In einer Zeit, in der Zeitungen zensiert und Grenzen geschlossen waren, schufen Radiosender Orientierung und Vertrauen, sowohl in der Region als auch in der ganzen Schweiz.
1939-2019: Vom Bruderholz in die Stuben der Region
Im Jahr 1940 bezog das Radiostudio Basel seinen neuen Standort auf dem Bruderholz. Die grösseren und moderneren Räumlichkeiten boten bessere Voraussetzungen für den Sendebetrieb. Das Radio wurde zum Alltagsmedium: Nachrichten am Mittagstisch, Musik am Abend und Hörspiele am Sonntag. Mit UKW ab den 1950er-Jahren verbesserte sich die Qualität deutlich. Radio Basel war nun nicht mehr nur Technik, sondern Teil des regionalen Lebensgefühls.
1950er–1980er: Fernsehen erobert die Haushalte, Radio die Region
Mit dem Aufkommen des Fernsehens verschob sich vieles. Das Radio verlor an Exklusivität, fand aber eine neue Rolle als regionales Begleitmedium. Die Basler Radiomacherinnen und Radiomacher setzten bewusst auf Nähe, auf Dialekt, regionale Politik, Kultur und Sport. Diese regionale Verankerung wurde zu einem Markenzeichen der SRG Region Basel.
2001: Vom Radio Basel zur SRG Region Basel
2001 änderte die Radio und Fernsehgenossenschaft Basel ihren Namen und wurde offiziell SRG Region Basel. Der neue Name machte sichtbar, was längst Realität war: Die Organisation war nicht nur Programmträgerin, sondern auch Brücke zwischen Publikum, Politik und SRG. Mit über 2000 Mitgliedern engagiert sie sich seither für den medialen Service public in der Region.
Ab 2010: Geschichten zum Mitnehmen – Radiogeschichte im Stadtraum
Mit Projekten wie «Radio Orte» oder der Öffnung der Archive bringt die SRG Region Basel ihre Geschichte zurück in den Alltag. An verschiedenen Orten in Basel und Liestal können historische Radiobeiträge per Smartphone abgerufen werden, oft genau dort, wo sie einst entstanden sind. So wird fast ein Jahrhundert Basler Mediengeschichte hörbar, erfahrbar und überraschend lebendig.
2019: Zurück zum Bahnhof SBB – Umzug in die Innenstadt
Über Jahrzehnte war das Radiostudio Basel auf dem Bruderholz zu Hause, etwas erhöht und etwas abgeschieden. Doch die Medienwelt veränderte sich, und mit ihr der Anspruch, näher am Publikum zu sein, sichtbarer aufzutreten und stärker vernetzt zu arbeiten. Mit dem Umzug in die Basler Innenstadt, ins markante Meret Oppenheim Hochhaus beim Bahnhof SBB, änderte sich nicht nur die Adresse. Radio und Regionaljournal rückten buchstäblich ins Zentrum des urbanen Lebens. Glas statt Hügel und Durchgangsverkehr statt Vogelgezwitscher. Ein bewusster Schritt von der Distanz zur Nähe.